Bootsschuhe sind spezielle auf die Anforderungen im Wasser beziehungsweise Bootssport zugeschnittene Schuhmodelle die gegenüber normalen Straßenschuhen und Sportschuhen traditionell eine deutlich höhere Rutschfestigkeit auf nassen, glatten Oberflächen und nicht abfärbende Sohlen voraushaben. Nachdem diese Art Schuhe mit dem Sperry Top-Sider um 1935 vom US-Amerikaner Paul Sperry erfunden wurde, gibt es heutzutage natürlich eine große Auswahl an Herstellern, Materialien und Designs für die unterschiedlichsten Verwendungszwecke. Dabei werden Segelschuhe normalerweise in 3 Untergruppen unterteilt:

1. Der klassische Deckschuh

Der bekannteste unter den Segelschuhen ist wahrscheinlich der klassische Deckschuh aus Leder in Mokassin-Machart: Hierbei handelt es sich um  einen eher eleganten Halbschuh, der häufig auch als Freizeitschuh getragen wird. Das Urmodell dieser Schuhe ist der Sperry Top-Sider, heutzutage werden ähnliche Modelle aber auch von Timberland, Lacoste, Sebago, Gaastra und vielen weiteren Herstellern angeboten. Sie eignen sich neben dem Gelegenheitssegler auch gut für längere Törns, vor allem aber natürlich für nicht allzu kaltes, trockenes Wetter. Da diese Art Schuhe normalerweise Barfuss getragen wird, kann es sonst recht schnell frisch werden.

Bootsschuhe nach klassischem Vorbild aus Leder

Deckschuhe nach klassischem Vorbild aus Leder

2. Racingschuhe / Regattaschuhe

Racingschuhe, wie die heute für den Segelsport genutzten Regattaschuhe auch oft genannt werden,  sind wesentlich sportlicher ausgerichtet und erinnern mehr an moderne Sportschuhe. Wie ihre Vorbilder aus den Lauf- und Hallensportarten bestehen sie meist aus Synthetikmaterial und sind sehr technisch ausgerichtet. Auch hier gibt es eher sommerliche Modelle, die mit Mesh-Einsätzen darauf ausgelegt sind, möglichst schnell zu trocknen, aber auch wasserdichte Modelle, die trotzdem eine hohe Atmungsaktivität aufweisen. Da es im Regattasport häufig etwas rauher zugeht und sehr viel „nass“ gesegelt wird, also mit häufig überkommendem Wasser zu rechnen ist, sind gerade die wasserdichten Modelle, die es auch halbhoch gibt, sehr beliebt. Hier wird dann auch nochmal nach Bootsklassen unterschieden, da die Anforderungen an einen Bootsschuh im Jollensegeln nocheinmal anders sind als auf größeren Segelyachten.

Laserschuhe / Optischuhe bilden daher eine Unterkategorie der Racingschuhe. Sie bedienen die  speziellen Bedürfnissen beim Segeln mit dem  Laser, Optimist oder Hobie  und ähneln häufig Taucherschuhen oder Surferschuhen und sind aus Neopren gefertigt um die Füße vor dem kalten Wasser bestmöglich zu schützen.

3. Segelstiefel

Segelstiefel, runden die Unterteilung hier ab. Es gibt sie als Gummistiefel aber auch als modisch schicke und zugleich hochfunktionale Stiefel aus Leder und Funktionsmaterialien mit Futter und abschließend auch komplett aus Kunstfasern mit Membrantechnologie gefertigt für den Hochsee-Regattasport. Segelstiefel sind gerade bei kühlerem und regnerischem Wetter die absoluten Allrounder unter den Bootsschuhen. Sie halten die Füße warm und trocken und bieten dank der speziellen Sohle guten Halt an Deck. Besonders zu empfehlen sind Modelle mit Funktionsmaterial und einer atmungsaktiven Membran, da diese gleichzeitig dafür sorgt, das Wasserdampf von innen nach aussen geleitet werden kann und die Füße weniger schwitzen.

Das A und O für Segelschuhe: Die richtige Sohle macht den Grip

Herren Bootsschuhe mit heller Sohle

Herren Bootsschuhe mit heller Sohle

Das Sohlenmaterial für Bootsschuhe

Damit auch bei Nässe die Rutschfestigkeit auf Deck gewährleistet ist, werden die Sohlen bei Bootsschuhen traditionell Kautschuk gefertigt. Hierbei handelt es sich um eine Vorstufe des Gummis, dass eine gelbliche Farbe hat und sehr weich und flexibel ist und zudem einen streifenfreien Abrieb verursacht. Neben dem Halt an Deck ist die Streifenfreiheit mit die wichtigste Anforderung an einen Bordschuh, denn wer möchte schon sein Bootsdeck mit schwarzen Streifen von Schuhen verunziert haben ?!  Solche unschönen Verfärbungen an Deck lassen sich am besten mit weißen oder sehr hellen Sohlen oder anderen Materialien, die nicht abfärben,  vermeiden. Diese gibt es mittlerweile auch in  dunkleren Farbtönen und ermöglichen dadurch natürlich eine noch breitere Auswahl an unterschiedlichen Designs.

Das Sohlenprofil für Bootsschuhe

Wichtige Attribute für den Kauf sind rutschsicher (non-slip) und nicht abfärbend (non-marking), welche meist im oder am Schuh angegeben sind.  Außerdem weisen die Sohlen von Wassersportschuhen im Vergleiche  zu denen von Straßenschuhen, Wanderschuhen und anderen Sportschuhen flachere und schmalere Rillen auf, damit das Wasser unter dem Schuhe möglichst schnell abfließen kann und sich kein rutschiger Wasserfilm bildet. Besonders bekannt ist hier das klassische Messerschnittprofil, dass ursprünglich durch die Beschaffenheit einer Hundepfote inspiriert wurde.

Auch bei der Dicke der Sohle und dem Fußbett gibt es deutliche Unterschiede. Dünnere Sohlen sprechen für einen Schuh der eher modischen Design Linien und Ansprüchen folgt, während dickere Sohlen bessereren Schutz bieten und gerade bei längerem Tragen den Fuß auch besser stützen können. Generell kann man sich wie bei Freizeit-, Wander- oder Sportschuhen auch,  daran orientieren, dass je länger man ein Segelschuh trägt und je stärker man ihn beansprucht, der Schuh ein ausgeprägteres Fußbett haben sollte und entsprechend mehr Schutz, Stabilität und Unterstützung bieten sollte, damit er auch nach einem langen und harten Tag auf See noch bequem ist. Je nach Schnitt und Größe des Schuhs, kann man diesen Effekt natürlich auch durch Einlegesohlen erzielen.

Besonders die sportlichen Bootsschuhe verfügen noch über weitere Besonderheiten für den Regattasport, da diese Veranstaltungen Ansprüche an das Schuhwerk stellen, welches die Fähigkeiten normaler Segelschuhe teilweise übersteigt. So verfügen einige Modelle über spezielle  Drainagesysteme, damit eingedrungenes Wasser schnell wieder abfließen kann, oder besondere Sohlenbereiche die einen sogenannten Drehpunkt oder Wendepunkt bilden um die Bewegungsfreiheit zu erhöhen.

Das Obermaterial – Eine Frage von Optik und Funktion

Während es für den Traditionsbewussten Segler auch heute eigentlich nur ein Obermaterial für Bootsschuhe gibt, nämlich Leder, haben sich gerade in den letzten Jahren viele Schuhmodelle etabliert, die auf den modernen Möglichkeiten synthetischer Materialien beruhen. Hierbei gibt es aber auch Mischformen, die die optischen und Funktionalen Vorzüge beider Werkstoffe vereinen.

Obwohl Leder natürlich im Bereich der Deckschuhe große Tradition hat, ist es am Ende den synthetischen Eroberern dieses Marktes in vielen Eigenschaften unterlegen. Zum einen trocknet es deutlich langsamer als moderne Werkstoffe und zum anderen ist es generell gegenüber Feuchtigkeit empfindlicher. Zudem können die Gerbstoffe im Leder auch allergische Reaktionen hervorrufen, dies muss aber einfach jeder selbst für sich herausfinden. Es empfiehlt sich bei solchen Naturmaterialien grundsätzlich auf eine kontrollierte Herkunft zu achten. Ein großer Vorteil des Leders ist die Bequemlichkeit. Nach dem Eintragen, bei dem sich ein Lederschuh immer noch etwas an die individuellen Gegebenheiten des Fußes anpasst, gibt es kaum etwas bequemeres. Auch die Wärme dieses Naturwerkstoffes trägt sicher dazu bei, dass Leder auch heute noch ein sehr beliebtes Material für Segelschuhe ist. Eine Alternative zu Leder, die ebenfalls schon sehr lange angeboten wird, ist Canvas als Obermaterial. Es trocknet natürlich deutlich schneller als Leder, ist aber auch empfindlicher und kann bei nicht optimaler Passform unangenehm Scheuern. Auch hier ist der individuelle Eindruck das A und O.

Die sportlicheren und damit technischeren Modelle bestehen meist aus PU Material und Einsätzen aus ventilierendem Netzgewebe, sogenannten Mesh-Einsätzen. Diese sind nicht wasserdicht, trocknen dafür aber sehr schnell und sorgen während des Tragens für eine gute Feuchtigkeitsabfuhr. Je nach Einsatzgebiet sind hier aber auch wasserdichte Modelle mit verschiedensten Isolierungen und Membranen Gang und Gäbe.

Die Technisierung nimmt hierbei mit zunehmender Beanspruchung zu, wobei die Hochsee-Racingschuhe sicher die Spitze des Eisberges bilden. Sie ähneln optisch eher militärischen Kommandostiefeln und sorgen neben dem perfekten Sitz, Isolation und Atmungsaktivität für größtmögliche Trittfestigkeit an Deck.

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